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Welche Zertifikate können Nahrungsergänzungsmittel begleiten?

In Deutschland und den übrigen Mitgliedstaaten der Europäischen Union gelten Nahrungsergänzungsmittel als Lebensmittel. Für ihre Herstellung, Qualitätskontrolle und das Inverkehrbringen gelten deshalb klare gesetzliche Anforderungen an Sicherheit und Qualität.
Dabei ist wichtig zu wissen: Für Nahrungsergänzungsmittel gibt es kein einheitliches Pflichtzertifikat, das automatisch für jedes Produkt vergeben wird.
Stattdessen basiert die Qualitätssicherung auf verschiedenen Standards, Prüfverfahren und Nachweisen. Erst das Zusammenspiel dieser Dokumente ermöglicht eine nachvollziehbare Beurteilung von Herstellung, Qualität und Produktsicherheit.
Zertifikate und begleitende Dokumentationen dienen dabei nicht in erster Linie der Werbung. Sie dokumentieren kontrollierte Produktionsabläufe, unterstützen die Rückverfolgbarkeit und belegen die Einhaltung geltender Vorgaben innerhalb der Europäischen Union.
Im Folgenden erfahren Sie, welche Zertifikate und Nachweise hochwertige Nahrungsergänzungsmittel häufig begleiten und welche Bedeutung sie haben.

1. HACCP – Grundlage der Lebensmittelsicherheit

Ein wesentlicher Bestandteil der Lebensmittelsicherheit ist das HACCP-Konzept (Hazard Analysis and Critical Control Points).
Dabei handelt es sich nicht um ein klassisches Produktzertifikat, sondern um ein System zur Identifizierung und Kontrolle möglicher Risiken während des gesamten Herstellungsprozesses.
Zu den zentralen Bestandteilen gehören:
  • Analyse möglicher Gefahren in allen Produktionsschritten;
  • Festlegung kritischer Kontrollpunkte;
  • Maßnahmen zur Vermeidung von Abweichungen;
  • Dokumentation und Überwachung der Qualitätskontrolle.
Für Hersteller von Nahrungsergänzungsmitteln bildet HACCP eine wichtige Grundlage, um die gesetzlichen Anforderungen an die Lebensmittelsicherheit dauerhaft einzuhalten.

2. GMP – Gute Herstellungspraxis

GMP (Good Manufacturing Practice) beschreibt internationale Anforderungen an eine sachgerechte und kontrollierte Produktion.
Der Standard umfasst unter anderem:
  • Hygiene und Sauberkeit der Produktionsbereiche;
  • Kontrolle von Rohstoffen und Lieferanten;
  • Qualifikation und Schulung des Personals;
  • standardisierte Herstellungsverfahren;
  • Maßnahmen zur Vermeidung von Verunreinigungen und Produktionsfehlern.
Eine GMP-konforme Produktion zeigt, dass die Herstellung nach definierten Prozessen erfolgt und auf eine gleichbleibende Produktqualität ausgerichtet ist.

3. ISO-Normen (ISO 9001 und ISO 22000)

Viele Hersteller arbeiten zusätzlich nach international anerkannten ISO-Standards.
Besonders verbreitet sind:

ISO 9001

Diese Norm beschreibt ein Qualitätsmanagementsystem und dokumentiert, dass betriebliche Abläufe geplant, überwacht und kontinuierlich verbessert werden.

ISO 22000

ISO 22000 bezieht sich auf Managementsysteme für die Lebensmittelsicherheit und verbindet die Grundsätze von HACCP mit einem umfassenden Qualitätsmanagement.
Diese Normen bewerten nicht die Zusammensetzung eines Produkts, sondern die Organisation der Herstellungs- und Kontrollprozesse.

4. Laboranalysen und Certificate of Analysis (COA)

Zu den wichtigsten Qualitätsnachweisen gehört das Certificate of Analysis (COA), also das Analysezertifikat einer konkreten Produktionscharge.
Je nach Produkt kann ein COA beispielsweise Angaben enthalten zu:
  • der Übereinstimmung mit den Produktspezifikationen;
  • der Zusammensetzung;
  • Reinheitsparametern der eingesetzten Rohstoffe;
  • Untersuchungen auf Schwermetalle;
  • mikrobiologischen Prüfungen.
Ein COA dient dazu, die Qualität einzelner Chargen anhand dokumentierter Laborergebnisse nachvollziehbar zu machen.

5. Weitere Zertifizierungen und spezielle Nachweise

Abhängig vom Produkt und vom jeweiligen Markt können zusätzliche Zertifikate oder Prüfungen relevant sein.

Halal- und Kosher-Zertifizierungen

Sie bestätigen, dass Herstellung und verwendete Rohstoffe den jeweiligen religiösen Anforderungen entsprechen.

Bio- bzw. EU-Öko-Zertifizierung

Diese Kennzeichnung ist möglich, wenn die gesetzlichen Vorgaben für den ökologischen Landbau innerhalb der EU erfüllt werden.

Allergenanalysen

Sie dienen der Kontrolle bestimmter allergener Stoffe beziehungsweise deren Kennzeichnung entsprechend den geltenden Vorschriften.
Diese Nachweise sind nicht für jedes Nahrungsergänzungsmittel verpflichtend, können jedoch zusätzliche Transparenz schaffen.

6. Wichtig zu wissen: Zertifikate belegen keine medizinische Wirkung

Nach den geltenden Vorschriften in Deutschland und der Europäischen Union lassen sich aus Qualitätszertifikaten keine Aussagen über gesundheitliche oder medizinische Wirkungen ableiten.
Sie stellen insbesondere keinen Nachweis dar für:
  • eine therapeutische Wirkung;
  • die Vorbeugung von Krankheiten;
  • eine medizinische Behandlung;
  • individuelle Ergebnisse bei der Anwendung.
Zertifikate dokumentieren vielmehr, dass Herstellung und Qualitätskontrolle nach festgelegten Standards durchgeführt werden.

7. Warum einzelne Zertifikate unterschiedlich zu bewerten sind

In Informations- und Marketingmaterialien werden häufig zahlreiche Zertifikate erwähnt. Deren Aussagekraft hängt jedoch davon ab, worauf sie sich beziehen.
Beispielsweise betreffen:
  • GMP und HACCP die Herstellung und Produktsicherheit;
  • ISO-Normen das Qualitätsmanagement;
  • COA die Laborprüfung einzelner Chargen;
  • Halal- oder Bio-Zertifizierungen besondere Anforderungen bestimmter Zielmärkte oder Produktionsweisen.
Für eine fundierte Beurteilung empfiehlt es sich daher, nicht nur auf ein einzelnes Zertifikat zu achten, sondern das gesamte Qualitätssicherungssystem eines Herstellers zu betrachten.

8. Wie lassen sich Zertifikate überprüfen?

Beim Vergleich verschiedener Nahrungsergänzungsmittel können folgende Punkte hilfreich sein:
  • transparente Angaben zum Hersteller;
  • Informationen über angewandte Produktionsstandards;
  • verfügbare Laboranalysen oder Prüfberichte;
  • vollständige und nachvollziehbare Produktkennzeichnung;
  • Einhaltung der geltenden EU-Vorschriften.
Sind entsprechende Unterlagen nicht öffentlich zugänglich, können sie häufig beim Hersteller oder einem autorisierten Vertriebspartner angefragt werden.

FAQ

Ist für Nahrungsergänzungsmittel in der EU ein verpflichtendes Zertifikat vorgeschrieben?

Nein. Entscheidend ist, dass Herstellung und Inverkehrbringen den geltenden gesetzlichen Anforderungen entsprechen.

Was ist wichtiger – GMP oder ISO?

Beide Standards erfüllen unterschiedliche Aufgaben. GMP bezieht sich auf die Herstellung, ISO auf Management- und Qualitätsprozesse.

Was bestätigt ein COA?

Ein Certificate of Analysis dokumentiert die Ergebnisse der Laborprüfung einer bestimmten Produktionscharge.

Garantieren Zertifikate eine bestimmte Wirkung?

Nein. Sie beziehen sich auf Herstellungs- und Qualitätsstandards, nicht auf eine medizinische oder individuelle Wirkung.

Warum verfügen verschiedene Produkte über unterschiedliche Zertifikate?

Welche Nachweise vorliegen, hängt unter anderem vom Herstellungsverfahren, den verwendeten Rohstoffen und den Anforderungen des jeweiligen Marktes ab.

Fazit

Zertifikate und Qualitätsstandards dienen bei Nahrungsergänzungsmitteln in erster Linie der Dokumentation sicherer Herstellungsprozesse und einer nachvollziehbaren Qualitätskontrolle. Im Mittelpunkt stehen Transparenz, Rückverfolgbarkeit und die Einhaltung der gesetzlichen Vorgaben innerhalb der Europäischen Union.
Wer die Unterschiede zwischen GMP, HACCP, ISO-Normen und Laboranalysen kennt, kann Herstellerangaben besser einordnen und die vorhandene Dokumentation sachlich bewerten.

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