Lexikon für Nahrungsergänzungsmittel

Woran erkennt man, ob ein Nahrungsergänzungsmittel mit E-Nummern sicher ist?

Wer die Zutatenliste von Lebensmitteln, Getränken, Nahrungsergänzungsmitteln oder Arzneimitteln liest, stößt häufig auf Inhaltsstoffe mit einer E-Nummer. Manche Verbraucher betrachten diese Kennzeichnung kritisch, andere schenken ihr kaum Beachtung.
Tatsächlich sagt eine E-Nummer allein weder etwas über eine besondere Sicherheit noch über ein erhöhtes Risiko aus. Für eine fundierte Bewertung ist es sinnvoll zu verstehen, wofür E-Nummern stehen, wie entsprechende Stoffe geprüft werden und welche Kriterien bei der Produktauswahl wirklich relevant sind.

Was bedeutet eine E-Nummer?

E-Nummern sind die in der Europäischen Union verwendeten Kennzeichnungen für Lebensmittelzusatzstoffe, die nach einer wissenschaftlichen Sicherheitsbewertung zugelassen wurden. Das „E“ steht für Europa.
Jeder zugelassene Zusatzstoff erhält eine eigene Nummer. Beispiele sind:
  • E300 – Ascorbinsäure (Vitamin C)
  • E322 – Lecithine
  • E406 – Agar
  • E440 – Pektine
Ein Teil dieser Stoffe stammt aus natürlichen Quellen, andere werden technisch oder synthetisch hergestellt. Für die Sicherheitsbewertung ist die Herkunft jedoch nicht das alleinige Kriterium.

Wer überprüft die Sicherheit von Lebensmittelzusatzstoffen?

Bevor ein Lebensmittelzusatzstoff in der Europäischen Union verwendet werden darf, wird er wissenschaftlich bewertet.
Dabei werden unter anderem folgende Aspekte berücksichtigt:
  • chemische Eigenschaften;
  • mögliche Auswirkungen im vorgesehenen Anwendungsbereich;
  • voraussichtliche Aufnahmemengen;
  • Ergebnisse toxikologischer Untersuchungen;
  • Einsatzbedingungen in verschiedenen Lebensmittelkategorien.
Liegen neue wissenschaftliche Erkenntnisse vor, können bereits zugelassene Stoffe erneut überprüft werden. Dabei können beispielsweise Anwendungsbedingungen angepasst, zulässige Höchstmengen geändert oder eine Zulassung aufgehoben werden.
Durch dieses Verfahren werden die Anforderungen regelmäßig an den aktuellen Stand der wissenschaftlichen Erkenntnisse angepasst.

Warum eine E-Nummer nicht automatisch auf ein Risiko hinweist

Häufig wird angenommen, dass alle Stoffe mit einer E-Nummer künstlich oder grundsätzlich unerwünscht seien. Diese Annahme trifft so nicht zu.
Zu den Stoffen mit E-Nummern gehören beispielsweise:
  • Vitamin C;
  • Zitronensäure;
  • Pektin aus Früchten;
  • natürliche Pflanzengummen;
  • Carotinoide.
Umgekehrt bedeutet das Fehlen einer E-Nummer auf der Verpackung nicht automatisch, dass ein Produkt sicherer oder hochwertiger ist. Entscheidend sind immer die Zusammensetzung, der Verwendungszweck und die eingesetzte Menge.
Eine E-Nummer allein ist daher kein Maßstab für Qualität oder Sicherheit.

So können Sie die Sicherheit eines Nahrungsergänzungsmittels besser einschätzen

Beim Vergleich verschiedener Produkte lohnt es sich, mehrere Kriterien zu berücksichtigen.

Die vollständige Zutatenliste prüfen

Bewerten Sie ein Produkt nicht ausschließlich anhand eines einzelnen Inhaltsstoffs. Sinnvoll ist es, die gesamte Zusammensetzung einschließlich der Haupt- und Hilfsstoffe zu betrachten.

Den Verwendungszweck berücksichtigen

Je nach Produktkategorie kommen unterschiedliche technologische Zusatzstoffe zum Einsatz, beispielsweise:
  • Stabilisatoren;
  • Emulgatoren;
  • Antioxidationsmittel;
  • Säureregulatoren;
  • Verdickungsmittel.
Welche Stoffe verwendet werden, hängt von den Eigenschaften des jeweiligen Produkts und den Herstellungsprozessen ab.

Auf die Konformität mit dem EU-Markt achten

Produkte, die innerhalb der Europäischen Union verkauft werden, müssen die geltenden lebensmittelrechtlichen Vorgaben erfüllen.
Zugelassene Lebensmittelzusatzstoffe dürfen daher nur in den gesetzlich vorgesehenen Fällen und unter Einhaltung der festgelegten Anforderungen verwendet werden.

Informationen aus sozialen Medien kritisch bewerten

Im Internet kursieren zahlreiche Listen angeblich „gefährlicher E-Nummern“, die häufig auf veralteten Informationen beruhen oder keine nachvollziehbaren wissenschaftlichen Quellen nennen.
Für eine fundierte Einschätzung sind aktuelle Informationen aus zuverlässigen und fachlich anerkannten Quellen hilfreicher.

Natürliche und synthetische Stoffe – macht das immer einen Unterschied?

Viele Verbraucher verbinden natürliche Inhaltsstoffe automatisch mit einer höheren Sicherheit als synthetisch hergestellte Stoffe.
Aus wissenschaftlicher Sicht ist die Herkunft jedoch nicht immer ausschlaggebend.
Wichtige Bewertungskriterien sind vielmehr:
  • die chemischen Eigenschaften des Stoffes;
  • die aufgenommene Menge;
  • die wissenschaftliche Sicherheitsbewertung;
  • die Einhaltung der geltenden Verwendungsbedingungen.
Natürlicher Ursprung bedeutet daher nicht automatisch ein geringeres Risiko. Ebenso ist ein synthetisch hergestellter Stoff nicht allein aufgrund seiner Herstellung als problematisch einzustufen.

Sollte man alle Zusatzstoffe mit E-Nummern meiden?

Eine allgemeingültige Antwort gibt es nicht.
Lebensmittelzusatzstoffe erfüllen in vielen Produkten wichtige technologische Funktionen. Sie können beispielsweise dazu beitragen:
  • die Produktqualität zu erhalten;
  • ein vorzeitiges Verderben zu verzögern;
  • die Zusammensetzung stabil zu halten;
  • Geschmack, Farbe oder Konsistenz während der Haltbarkeit zu bewahren.
Einzelne Personen können jedoch empfindlich auf bestimmte Inhaltsstoffe reagieren oder Allergien gegen einzelne Bestandteile haben. In solchen Fällen empfiehlt es sich, die Zutatenliste sorgfältig zu lesen und bei Unsicherheiten fachlichen Rat einzuholen.

Worauf Sie bei der Auswahl eines Nahrungsergänzungsmittels achten können

Wenn Sie ein Nahrungsergänzungsmittel regelmäßig verwenden möchten, können folgende Kriterien bei der Auswahl hilfreich sein:
  • eine transparente und verständliche Zutatenliste;
  • eine vollständige Kennzeichnung auf der Verpackung;
  • Angaben zum Hersteller;
  • Übereinstimmung mit den geltenden Anforderungen des EU-Marktes;
  • klare Hinweise zur empfohlenen Verwendung;
  • keine unbelegten Versprechen über medizinische oder therapeutische Wirkungen.
Eine solche Gesamtbetrachtung liefert meist eine aussagekräftigere Grundlage als die bloße Existenz einer E-Nummer.

Häufige Mythen

Mythos: Jede E-Nummer ist gesundheitsschädlich.
Fakt: Viele Lebensmittelzusatzstoffe mit E-Nummern werden nach wissenschaftlicher Bewertung im Rahmen der geltenden Vorschriften verwendet.
Mythos: Natürliche Stoffe sind grundsätzlich sicherer als synthetische.
Fakt: Maßgeblich sind die wissenschaftliche Bewertung, die vorgesehene Verwendung und die eingesetzte Menge – nicht allein die Herkunft.
Mythos: Produkte ohne E-Nummern sind automatisch besser.
Fakt: Aus dem Fehlen einer E-Nummer lässt sich ohne Betrachtung der gesamten Zusammensetzung keine Aussage über Qualität oder Sicherheit ableiten.

FAQ

Sind alle E-Nummern in Deutschland zugelassen?

Verwendet werden dürfen nur Lebensmittelzusatzstoffe, die den geltenden rechtlichen Anforderungen der Europäischen Union entsprechen.

Können bereits zugelassene Zusatzstoffe erneut überprüft werden?

Ja. Neue wissenschaftliche Erkenntnisse können dazu führen, dass bestehende Verwendungsbedingungen angepasst oder Zulassungen überprüft werden.

Sollte man alle Lebensmittelzusatzstoffe mit E-Nummern vermeiden?

Nein. Eine E-Nummer allein ist kein Hinweis auf ein gesundheitliches Risiko. Entscheidend ist die Bewertung der gesamten Zusammensetzung sowie die bestimmungsgemäße Verwendung des Produkts.

Woran erkennt man, dass ein Produkt für den EU-Markt bestimmt ist?

Hinweise finden sich in der Regel auf der Kennzeichnung, den Herstellerangaben, der Zutatenliste sowie der Verpackung, die den geltenden europäischen Anforderungen entsprechen muss.

Fazit

Eine E-Nummer ist kein Warnhinweis, sondern eine Kennzeichnung für Lebensmittelzusatzstoffe, die im Rahmen der europäischen Vorschriften verwendet werden dürfen. Aus der Nummer allein lässt sich weder auf die Qualität noch auf die Sicherheit eines Produkts schließen.
Für eine fundierte Kaufentscheidung ist es sinnvoll, die vollständige Zutatenliste, die Kennzeichnung, die Herstellerangaben sowie die Einhaltung der geltenden europäischen Vorschriften zu berücksichtigen. Eine solche Gesamtbetrachtung hilft dabei, Nahrungsergänzungsmittel und Lebensmittel sachlich und informiert zu beurteilen.

Weiterlesen

  • Was sind Nahrungsergänzungsmittel?
  • Was sind Hilfsstoffe?
  • Warum werden Antioxidationsmittel in Nahrungsergänzungsmitteln eingesetzt?
  • Was sind Konservierungsstoffe und wofür werden sie verwendet?
Made on
Tilda